Ciudad Perdida – Colombia

Die Ciudad Perdida (wörtlich die ‚verlorene Stadt‘) liegt in der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens und ist neben dem Machu Picchu eine der grössten wiederentdeckten präkolumbischen Städte Südamerikas. Die Ciudad Perdida liegt zwischen 900 und 1200 m ü. M. Sie wurde zwischen dem 11. und dem 14. Jh. erbaut und war, so vermutet man, das wichtigste urbane Zentrum der Tayrona (präkolumbisches Volk). Die Stadt wurde nach der Eroberung der Spanier von der üppigen Tropenvegetation verschlungen. 1975 wurde die Ciudad Perdida durch Grabräuber wiederentdeckt.

Die Ciudad Perdida tief im Urwald Kolumbiens (siehe Google Maps 🙂 ist ein Paradies für alle Indiana Jones Fans – sich auf wilden Pfaden durch den Regenwald schlagen, Flüsse durchqueren, Klettern, Schweiss, Mosquitos, Hängematten zum schlafen, und am Ende des Weges eine verlorene Stadt zusammen mit einem lokalen Guide erkunden. All dies hatten mich und Manu angesprochen. Evelyne und Steffi waren anfangs noch etwas unsicher. Wir haben uns dann jedoch in Santa Marta besser über die Tour erkundigt. Da wir jedoch etwas müde waren von der ewigen Reiseplanung, hatten wir nicht allzu viel Zeit investiert, die verschiedenen Anbieter zu vergleichen. Zufällig sind wir bei der unscheinbaren WIWA TOUR vorbeigelaufen, welche auf uns einen sympatischen Eindruck hinterlassen hatte.

Zur Info: Der Zugang zur Ciudad Perdida ist nur in einer geführten Tour möglich. Der Preis ist bei allen Anbietern gleich ($300) und umfasst den Transport, Verpflegung, Hängematten, Führer und alle notwendigen Genehmigungen. Die Gruppen setzen sich aus 4 bis 12 Personen zusammen. Die Touren werden das ganze Jahr über gestartet. Der Treck zur Ciudad Perdida kann in 4, 5 oder 6 Tagen gemacht werden.

Da wir von vielen Backpackers gehört haben, dass die viertägige Tour sehr anstrengend ist, haben wir uns für die fünftägige Tour entschieden – was rückbilckend die absolut richtige Entscheidung war. Bei WIWA Tour hatten wir die Tour einen Tag vor Abreise gebucht. Zum Glück waren wir bis dahin die Einzigen, welche sich für dieses Datum entschieden hatten.

Etwas müde, jedoch motiviert und gespannt, gingen wir vier Wandervögel am Samstag um 8:20 Uhr zum WIWA Tour-Office. Um 8:30 Uhr ging es bereits los. Der Weg zur Ciudad Perdida beginnt in Mamey. Der Abschnitt zwischen Santa Marta und El Mamey wird mit einem 4×4 zurückgelegt und dauert ca. 2 Stunden, die letzten 45 Minuten auf einem „Weg“, der nur knapp als solcher bezeichnet werden kann (Manu schlug aufgrund der Schlaglöcher nicht nur einmal den Kopf an der Autodecke an). Um 11:00 Uhr sind wir in Mamey angekommen. Dort gab es für uns noch eine Stärkung. Zwei Touris, welche den Trek soeben beendet hatten, gaben uns noch hilfreiche Tipps. Auch hatten wir unseren Guide, Manuel, kennengelernt. Ein kleiner, unschuldiger, Indianer. Die Backpackers meinten jedoch, dass Manuel einer der besten Führer ist.

Tag 1
Bevor es los ging, verteilte unser Guide noch vier Stöcke als Gehilfe. Danach ging es in einem rasanten Tempo los. Da es am Anfang noch schön geradeaus ging, konnten wir sein Tempo mithalten. Als uns der erste Anstieg bevorstand, beschleunigte unser kleiner Indianer jedoch das Tempo. Wir waren alle sehr schnell ausser Atem. Dieser Anstieg war alles andere als lustig. Wir gaben unserem Guide den Übernamen ‚Duracell Hase‘. Nach einer Stunde bergauf gab es an einer Stelle frische Orangen, welche super lecker schmeckten. Unsere Kleider waren zu diesem Zeitpunkt bereits alle klatschnass. Weiter gings mit dem Trek, natürlich bergauf, was sonst. Nach insgesamt 2,5 Stunden (7,6 km) erreichten wir unser erstes Camp, wo wir übernachteten. Die Dusche war eiskalt, jedoch sehr wohltuend. Nach einem leckeren Abendessen spielten wir noch ‚Arschloch‘ (ein Kartenspiel) und machten es uns dann später in den Hängematten gemütlich.

Tag 2
Brrrr. War die Nacht kalt und irgendwie ungewohnt. Um 5:30 Uhr wurden wir von unserem Guide geweckt. Während dem Frühstück durften wir ein wunderschönen Sonnenaufgang betrachten. Um ca. 7:30 Uhr machten wir uns auf unseren Weg. Für weitere 7,3 km hatten wir ca. 2,5 Stunden. Wir erreichten unser Camp somit bereits gegen 10:30 Uhr. In diesem Camp lebte unser Guide Manuel. Wir lernten seine Familie kennen, welche mit ein paar Tieren und ohne Strom völlig einsam mitten im Dschungel lebt. Er ist 27 Jahre alt und hat bereits 3 Kinder. Da dieses Camp direkt an einem schönen Flussabschnitt liegt, konnten wir uns im Fluss abkühlen und von einem Felsen (ca. 4-6 m) hinunterspringen. Dieser Tag war für uns sehr gemütlich, da wir nicht mehr weiterlaufen mussten. Unser Guide hat uns viele interessante Infos über seine Kultur und Umgebung erklärt bzw. nähergebracht. Wir waren die einzigen, welche in diesem Camp übernachteten, somit durften wir mit zwei Decken übernachten. Diese Nacht war um einiges wärmer und angenehmer.

Tag 3
Erneut starteten wir um 5:00 Uhr in den Tag, als die ersten Sonnenstrahlen hinter den Hügel erkennbar waren, marschierten wir los. An diesem Tag hatten wir einiges vor uns. Wir mussten bis zum letzten Camp laufen (7,2 km). Unser Guide kaute dauernd auf Coca-Blättern rum. Wir wollten davon natürlich auch probieren und wollten danach auch so schnell wie er sein 🙂 Hmm.. irgendwie schmeckten uns diese Blätter nicht. (Einschub von Manu: doch, sie waren fein. Wie Schwarztee). Somit ging es in unserem gewohnten Tempo weiter. Im Camp angekommen, erwartete uns ein leckeres Mittagessen. Nach dem Essen gingen wir als einzige Gruppe zur Ciudad Perdida. 1200 Stufen – leider alle unterschiedlich hoch und breit – bereiteten uns UND auch unserem Guide etwas Mühe. Beinahe senkrecht führte die Treppe vom Flussufer hoch zur Stadt. Beim zurückschauen bekommt man weiche Knie, Höhenangst darf man hier nicht haben. Verschwitzt und völlig ausser Atem erreichten wir die verlorene Stadt. (Wie die rüstigen Senioren, die wir unterwegs angetroffen haben, diese Treppe meistern wollten, bleibt uns ein Rätsel.) Wir waren jedoch überglücklich, da es ab diesem Zeitpunkt nur noch zurück ging. Manuel zeigte uns die Stadt und erklärte uns diverse Sachen. Wir konnten uns dort einige Zeit verweilen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt leider Kopfschmerzen. Die Anstrengung und Verspannung am Rücken waren womöglich der Auslöser. Die anderen drei gönnten sich zuobers auf dem Hügel ein erfrischendes Bier (ja genau, am Ender der Welt im hintersten Winkel des kolumbianischen Dschungels kann man eiskaltes Bier kaufen. Grund dafür: Bei der Ciudad Perdida sind Soldaten positioniert, die uns Touristen beschützen. Deshalb der „Kiosk“. 2003 – Touristen von Guerilla entführt – 5 Monate – Lösegeld – jetzt Soldaten.) Danach begaben wir uns wieder auf den Rückweg. Die teils glitschigen und sehr steilen Stufen waren einfacher hochzusteigen als hinunter. Zurück im Camp waren wir froh, endlich duschen zu können. Leider waren in diesem Camp viele andere Gruppen – total sicher gegen 100 Gäste (zur Erinnerung: Am Tag zuvor im anderen Camp waren wir zu viert). Da wir jedoch früh zurück waren und wir einen super Koch hatten, welcher uns übrigens immer begleitete, hatten wir als erstes unser Essen auf dem Tisch. Dieser Abend war jedoch nicht so persönlich wie die beiden anderen. Wie immer spielten wir unser geliebtes Kartenspiel. Die Nacht verbrachten wir zur Abwechslung in einem Zelt mit muffigen Matrazen und Decken. Seidenhülle-sei-dank!!

Tag 4
Alle anderen Gruppen gingen bereits früh in die Ciudad Perdida. Wir konnten an diesem Tag ausschlafen – bis 6:00 Uhr! Danke Manuel, hahaha… Um 7:00 Uhr ging es für uns zurück ins Camp 2 bzw. Camp 3, wo wir am 2. Tag übernachteten. Der Rückweg kam uns einfacher und schneller vor, als der Hinweg. Wir begegneten auf dem Weg hinunter einer Schulklasse von insgesamt 80 Schülern. Wir hatten unheimlich viel Spass, an diesem steilen Bergstück den Schülern lachend ins Gesicht zu schauen. Gegen die Mittagszeit erreichten wir erneut das Zuhause von Manuel. Dort gönnten wir uns zuerst eine kalte Dusche und danach ein Nickerchen in der Hängematte. Gegen 17:00 Uhr kamen noch weitere 7 Personen ins Camp. Nach dem Abendessen sassen wir zusammen mit Manuel, seinen Kindern, unserem Koch und dem Bruder von Manuel an einem Tisch. Wir tranken Coca-Tee, lachten und hatten einfach einen gemütlichen Abend zusammen im Kerzenlicht. Die Kinder hatten unglaublichen Spass an unseren iPhone-Spielen, wie bsp. ‚Talking Tom‘. Wir erfuhren zudem weitere interessante, kulturelle Infos. Dieser Abend war unbeschreiblich schön, lustig und interessant.
Die Kerzen wurden ausgepustet, wir machten es uns in den Hängematten gemütlich. Nebenan rauschte der Fluss. Nah und fern waren die Laute aller Waldbewohner zu hören und 1 Million Sterne am Himmel sichtbar.

Tag 5
Am letzten Tag mussten wir wieder um 5:00 Uhr aufstehen, da wir 5 Stunden Marsch vor uns hatten. Zwei steile Anstiege (mit Schlangen mitten auf dem Weg) und am Schluss zum Glück alles hinunter bis nach Mamey. Evelyne hatte jedoch aufgeschwollene und entzündete Füsse. Manuel organisierte für sie ein Pferd, welches sie sicher nach Mamey zurückbrachte. Wir waren um 11:00 Uhr bereits in Mamey angekommen und durften ein leckeres Mittagessen geniessen.
…und am Mittwoch, 3 Tage nach dem Final der Australian Open, erfuhren wir beim Mittagessen von ankommenden Touristen nach Tagen der Ungewissheit endlich (Manu haben die Hände gezittert vor Nervosität), dass es Stan the man gepackt hat 🙂

Wir waren alle unglaublich happy, als wir heil im Ziel ankamen. Dieser Trek hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Die Landschaft ist unvergesslich schön und sehr beeindruckend. Die Lebensweise und Kultur der Ureinwohner ist sehr eindrücklich und faszinierend. Auch wenn die Tour aufgrund der Hitze und den steilen Passagen sehr anstrengend war, war es eine perfekte Abwechslung und der Beweis, dass 5 Tage ohne Strom keine psychischen Schäden hinterlässt 😉

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2 replies »

  1. wow, Mischi so schön………….Natur pur! jööö und die kids sind ja süss 🙂 super Trip wo ihr da gmacht händ!!! hug Mum

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